Ratten aussetzen: Was erlaubt ist

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Ratten aussetzen klingt nach der freundlichsten Lösung, ist aber rechtlich und praktisch heikel. Wanderratten gelten als Gesundheitsschädlinge, und in vielen Gemeinden ist es nicht erlaubt, sie einfach an einem anderen Ort freizulassen. Außerdem finden viele ausgesetzte Ratten zurück oder schaffen anderswo dasselbe Problem.

Kurz gesagt

Ein bundesweit einheitliches Verbot gibt es nicht, aber in vielen Bundesländern und Kommunen müssen Grundstückseigentümer Ratten bekämpfen, nicht verlagern. Das Freilassen auf fremden Grundstücken, in Parks oder an Gewässern kann gegen örtliche Vorschriften verstoßen. Frage vor dem ersten Fang beim Ordnungsamt nach. Ist Aussetzen nicht zulässig, übernimmt ein Schädlingsbekämpfer das gefangene Tier.

Warum Ratten aussetzen rechtlich problematisch ist

Die Wanderratte kann Krankheitserreger wie Leptospiren oder Salmonellen übertragen. Deshalb behandeln die Länder sie über Verordnungen zur Schädlingsbekämpfung als Gesundheitsschädling. In vielen Bundesländern sind Eigentümer und Nutzer von Grundstücken verpflichtet, einen Befall zu bekämpfen und teils auch zu melden. Wer eine gefangene Ratte woanders freilässt, verlagert den Befall nur auf das Grundstück eines anderen.

Hinzu kommt der Tierschutz. Eine Ratte, die in ein fremdes Revier gebracht wird, trifft auf ansässige Artgenossen, kennt weder Verstecke noch Futterstellen und ist erheblichem Stress ausgesetzt. Ein Aussetzen ohne Rücksicht auf das Tier ist daher auch aus Tierschutzsicht kein gutes Argument.

Wanderratte oder Hausratte: ein wichtiger Unterschied

Fast alle Ratten in Kellern, Gärten und an Mülltonnen sind Wanderratten. Die Hausratte ist in Deutschland selten geworden und wird in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste geführt. Fängst du ein Tier mit auffallend langem Schwanz, großen Ohren und schlankem Körper auf dem Dachboden, kann es sich um eine Hausratte handeln. In diesem Fall solltest du nichts auf eigene Faust unternehmen, sondern die untere Naturschutzbehörde oder einen Schädlingsbekämpfer fragen.

Wie weit müsste man eine Ratte bringen?

Wanderratten haben ein gutes Orientierungsvermögen. Über kurze Distanzen von wenigen hundert Metern finden sie häufig zurück, vor allem wenn dein Grundstück ihnen Futter und Unterschlupf bietet. Oft genannt werden mehrere Kilometer als Mindestabstand. Doch selbst dann bleibt das Grundproblem bestehen: Das Tier kommt in ein besiedeltes Revier oder in die Nähe anderer Häuser.

Der wichtigere Punkt ist dein eigenes Grundstück. Solange Futterquellen und Zugänge offen sind, rücken neue Ratten nach. Ein Aussetzen ohne Ursachenbekämpfung bringt deshalb in der Regel keine dauerhafte Ruhe.

So gehst du nach einem Lebendfang richtig vor

Wenn du dich für eine Lebendfalle entschieden hast, plane den Umgang mit dem gefangenen Tier, bevor du die Falle spannst. Der Ratgeber Ratte lebend gefangen beschreibt die Situation ausführlich. Die Grundschritte:

  1. Kläre beim Ordnungsamt, ob Freilassen in deiner Gemeinde erlaubt ist und wo.
  2. Kontrolliere die Falle mindestens zweimal täglich, damit das Tier nicht lange eingesperrt ist.
  3. Decke die Falle mit einem Tuch ab, sobald eine Ratte gefangen ist. Dunkelheit beruhigt das Tier.
  4. Fasse die Falle nur mit festen Handschuhen am Griff an und halte deine Finger vom Gitter fern. Ratten können durch Draht beißen.
  5. Ist Freilassen nicht erlaubt, rufe einen Schädlingsbekämpfer, der das Tier übernimmt.
  6. Reinige und desinfiziere die Falle danach mit Einweghandschuhen und wasche dir die Hände.

Wie du die Falle so aufstellst, dass sie zuverlässig fängt und das Tier nicht unnötig leidet, liest du unter Lebendfalle aufstellen. Für sicheres Hantieren eignen sich bissfeste Schutzhandschuhe*.

Entscheidungshilfe: Lebendfang oder sofort tötende Falle?

Wenn Aussetzen in deiner Gemeinde nicht erlaubt ist, verliert die Lebendfalle ihren wichtigsten Vorteil. Die folgende Übersicht hilft bei der Wahl:

SituationSinnvolle Wahl
Aussetzen erlaubt, du kannst täglich zweimal kontrollierenLebendfalle
Aussetzen nicht erlaubt, kein Schädlingsbekämpfer gewünschtSofort tötende Schlag- oder Elektrofalle in richtiger Größe
Starker Befall, mehrere TiereSchädlingsbekämpfer
Möglicherweise HausratteFachberatung vor jeder Maßnahme

Eine korrekt dimensionierte Schlagfalle tötet die Ratte in Sekundenbruchteilen und gilt bei richtiger Anwendung als tierschutzgerecht. Klebefallen und Wassereimer sind es nicht und scheiden aus. Den Gesamtplan aus Fallen, Hygiene und Abdichten findest du im Ratgeber Ratten bekämpfen.

Häufige Fragen

Darf ich eine Ratte im Wald aussetzen?

Das hängt von den örtlichen Regeln ab. In vielen Gemeinden ist es nicht erwünscht oder untersagt, Gesundheitsschädlinge zu verbringen. Frage vorher beim Ordnungsamt nach, statt es einfach zu tun.

Kommt eine ausgesetzte Ratte zurück?

Bei kurzen Distanzen ist das gut möglich, weil Ratten sich gut orientieren. Selbst wenn sie nicht zurückkehrt, ziehen neue Ratten nach, solange dein Grundstück Futter und Unterschlupf bietet.

Was macht der Schädlingsbekämpfer mit einer lebend gefangenen Ratte?

Er tötet das Tier fachgerecht und tierschutzkonform oder entsorgt es nach den geltenden Vorschriften. Frage bei der Beauftragung nach, ob er lebend gefangene Tiere übernimmt und was das kostet.

Muss ich einen Rattenbefall melden?

In manchen Bundesländern und Gemeinden besteht eine Meldepflicht, in anderen nicht. Mieter informieren auf jeden Fall den Vermieter. Auskunft gibt das Ordnungsamt.